Der Low-Code-Ansatz:
Warum SAP und Microsoft auf Low Coding setzen


Die Anforderungen an die IT-Abteilungen wachsen: Unternehmen müssen immer kurzfristiger auf Veränderungen reagieren und die IT soll diese schnellstmöglich mithilfe digitaler Lösungen und Tools abbilden. Für lange Entwicklungszeiten und kostenintensive Individualentwicklungen ist da kaum Platz. Zudem sollen neue Entwicklungen möglichst reibungslos in die bestehende IT-Landschaft integriert werden können. In dieser Umgebung erfreut sich der Low-Code-Ansatz immer größerer Beliebtheit, denn er verspricht schnellere und kostengünstigere Entwicklungszyklen als traditionelles Programmieren. Auch die Software-Riesen SAP und Microsoft setzen daher verstärkt auf den Low-Code-Ansatz. Doch was können Low-Code-Lösungen im Unternehmenskontext leisten?

Was ist Low Coding?

Low Coding ist ein Programmieransatz, der nicht auf textbasiertem Programmieren, sondern auf visuellen Entwicklungsmethoden basiert, z.B. in Form von Point-and-Click. Der Low-Code-Ansatz ermöglicht es, auch ohne Programmierkenntnisse Applikationen und Anwendungen zu entwickeln.

Klassisches textbasiertes Programmieren vs. Low Code auf Basis von Softwarebausteinen

Die Vor- und Nachteile von Low Coding

Wir haben die Vor- und Nachteile von Low Coding gegenübergestellt:

VORTEILE

  • Kurze Entwicklungszyklen: Mithilfe von Low Coding ist es möglich, innerhalb kürzester Zeit fertige Applikationen und Anwendungen zu entwickeln.
  • Einheitliches UI: Durch die vorgefertigten Templates haben alle Anwendungen ein ähnliches User Interface und damit einen hohen Wiedererkennungswert.
  • Citizen-Developer geeignet: Citizen-Developer (Mitarbeiter aus den Fachbereichen ohne Programmierkenntnisse) können eigenständig Applikationen und Anwendungen realisieren.
  • Benutzerdefinierte Anpassungen: Bei den meisten Low-Code-Plattformen besteht die Möglichkeit, durch textbasiertes Programmieren individuelle Anpassungen vorzunehmen.

NACHTEILE

  • Schulungsaufwand: Auch die Anwendung von Low Code kommt nicht ohne Schulungsaufwand aus. Mitarbeitende müssen den Umgang damit erst lernen.
  • Weniger individuelle Anpassungsmöglichkeiten: Die vorgefertigten Templates erlauben ohne zusätzliches Programmieren nur begrenzte Anpassungen.
  • Ungeeignet für komplexe Applikationen: Sehr komplexe Anforderungen lassen sich mit Low Code nur begrenzt umsetzen. Hier kann klassisches Programmieren sogar Zeit sparen.

Zwischenfazit: Low Coding bietet Unternehmen Vorteile bei der Entwicklung von neuen Applikationen und Anwendungen. Der geringere Aufwand im Vergleich zum klassischen Programmieren sowie die Eignung für Citizen-Developer machen den Ansatz für viele Firmen attraktiv. Klassisches Coding wird durch Low Code jedoch nicht überflüssig. Gerade wenn Unternehmen sehr komplexe Anwendungen benötigen, stößt Low Coding an seine Grenzen. Ohne jegliche Programmierkenntnisse stehen Low-Code-Anwendern zudem nur begrenzte Anpassungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Low Code bei SAP und Microsoft

Den Nutzen von Low Code haben auch SAP und Microsoft erkannt und setzen verstärkt auf den Ansatz, mehr Flexibilität, weniger Programmieren. Microsoft mit seiner Microsoft Power Platform und SAP im Rahmen der SAP Cloud Platform. Die Microsoft Power Platform und die SAP Cloud Platform sind keine reinen Low-Code-Plattformen wie z.B. Mendix oder OutSystems. Vielmehr haben die beiden Platform-as-a-Service-Dienste Low-Code-Ansätze in ihre Funktionalitäten integriert.

Microsoft: Alle Dienste der Microsoft Power Platform (Power Apps, Power BI, Power Automate und Power Virtual Agents) basieren auf dem Low-Code-Ansatz. Sowohl benutzerdefinierte Anwendungen, Datenvisualisierungen als auch automatisierte Workflows lassen sich ohne Programmiererfahrung realisieren. Microsoft will seinen Kunden so mit möglichst einfacher Bedienbarkeit überzeugen.

SAP: Infolge der Partnerschaft mit dem Low-Code-Plattform-Anbieter Mendix ist Low Coding auch in den Produkten des Walldorfer Softwarekonzerns angekommen. SAP-Anwender können mithilfe von Low-Code ihr SAP-System selbständig um neue Funktionen erweitern. Mendix läuft dabei direkt auf der SAP Cloud Platform.

Warum ist Low Coding für Unternehmen und Software-Hersteller attraktiv?

Unternehmen gewinnen durch Low Coding mehr Agilität und Flexibilität bei der Erweiterung ihrer Systemlandschaft. Das haben auch die Software-Hersteller erkannt. Zum einen zeichnen sich Low-Code-Lösungen durch eine einfache Skalierbarkeit aus, sodass Unternehmen bei der Anzahl der User deutlich flexibler sind als bei vielen anderen digitalen Lösungen.

Zum anderen existieren in Unternehmen auch immer wenig umfangreiche Geschäftsprozesse, für die eine digitale Anbindung an die Kernsoftware nicht lohnenswert scheint: zu groß der Aufwand im Vergleich zum Nutzen. Doch durch Low Coding können auch diese Unternehmensabläufe schnell und ohne große Kosten digital abgebildet werden. Das gilt beispielsweise für interne Ausleih- oder Buchungsprozesse von Hardware oder Arbeitsplätzen.

Reduzierung von Schatten-IT

Gleichzeitig verhindert die Digitalisierung solcher Prozesse die Entstehung von Schatten-IT. Schatten-IT ist deshalb gefährlich, weil sie außerhalb der Kontrolle der IT-Abteilung existiert und daher oft nicht die gebotenen Sicherheitsstandards und organisationalen Anforderungen erfüllt. Stellt die IT stattdessen eine Low-Code-Plattform zur Verfügung, können Fachabteilungen standardisierte Anwendungen unter Aufsicht der IT-Abteilung entwickeln und in bestehende Unternehmensprozesse integrieren. Das verbessert die Sicherheit, reduziert komplizierte Schnittstellen und sorgt für mehr Übersicht.

Low Code kommt dabei der gelebten Praxis in Organisationen entgegen. Schon immer entwickeln Mitarbeitende dort eigene Lösungen, wo es keine professionelle Software gibt. Durch die Anwendung von Low-Code-Plattformen können Unternehmen sich diese Praxis zunutze machen.